Rezension/Kritik - Online seit 13.12.2025. Dieser Artikel wurde 2675 mal aufgerufen.

Moon Colony Bloodbath

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Autor: Donald X. Vaccarino
Verlag: Rio Grande Games
Rezension: Christoph Schlewinski
Spieler: 1 - 5
Dauer: 45 - 90 Minuten
Alter: ab 14 Jahren
Jahr: 2025
Bewertung: 3,5 3,5 H@LL9000
4,5 4,5 Leser
Ranking: Platz 3831
Moon Colony Bloodbath
Auszeichnungen:2025, Golden Geek Bestes thematisches Spiel Nominierung2025, Golden Geek innovativstes Spiel Nominierung2026, Spiel des Jahres Kennerspiel des Jahres Nominierung

Spielerei-Rezension

Wie die Fliegen

Wir stehen am Rande eines Kraters und schauen zufrieden hinab ins Tal. Da ist sie, unsere Mondkolonie. Die Kuppeln der einzelnen Segmente spiegeln die Strahlen der Sonne wider, wir sehen Menschen wie kleine Ameisen die Verbindungsröhren benutzen … und da sehen wir ein Leck in einer Kuppel und wie Menschen mit stummen Schreien hinaus ins Weltall gerissen werden. Und der Küchenroboter hat auch wieder einen Salatkopf mit einem menschlichen Kopf verwechselt. Da kommt jede Hilfe zu spät. Leider.

Ein ganz normaler Tag bei Moon Colony Bloodbath, ein Spiel, bei dem die Kolonisten unserer Mondkolonie Runde um Runde durch diverse Unfälle dezimiert werden, ohne dass wir etwas dagegen tun können. Unsere einzige Chance auf den Sieg ist, so lange wie möglich durchzuhalten und zu hoffen, dass jemand anderem die Kolonisten zuerst ausgehen. Dann ist das Spiel vorbei und wer die meisten Kolonisten hat, gewinnt.

Ähnlich wie beim Spiel Für die Krone gibt es hier ein einzelnes Kartendeck, das für alle Spieler den Takt vorgibt. Karte für Karte wird umgedeckt und getan, was die Karte von uns will. Ist der Stapel aufgebraucht, wird er gemischt und es geht von vorne los. Leider kommen aber pro Durchgang immer mehr Karten dazu, der Stapel wird also größer. Und gefährlicher.

Pro Durchgang kommen zwei Ereignisse in einer bestimmten Reihenfolge dazu. Das erste ist immer „Hunger“, was uns beim Aufdecken zwingt, unsere Kolonie zu ernähren. Pro ausgespieltes Gebäude kostet das einen Apfelchip. Konnten wir alle satt bekommen, gibt es sogar zwei Kolonistenchips dazu. Wer satt ist, macht halt gerne … Dinge.

Durch die Ereignisse kommen aber auch Unfälle, Roboter und die sogenannten „Twist“- Karten rein, die uns entweder etwas kosten oder uns eine kleine Aktionsmöglichkeit geben. Und dann sind da die vier „Work“ Karten und jede dieser Karten ist eine Aktion für alle. Man kann Geld aus der Mine holen, man kann Äpfel ernten, Gebäudekarten ziehen, eine Gebäudekarte ausspielen oder Warenkisten auf ausgespielte Gebäudekarten legen. Natürlich habe Gebäude Fähigkeiten, verbessern vielleicht Aktionen, machen etwas mit Warenkisten, geben uns andere Vorteile, wie z. B. einen „Perk“, eine spezielle Karte, die nur für diesen Spieler zählt, wenn sie aufgedeckt wird und einen kleinen Bonus abwirft.

Man merkt schon, der Kartenstapel wird immer voller und voller, aber es kommen keine neuen „Work“-Karten hinzu. Es bleibt pro Durchgang bei vier Aktionen, die wir machen können. Am Anfang fällt das nicht so ins Gewicht, da können wir fröhlich was machen. Aber Runde um Runde wird das Bibbern nach einer „Work“-Karte größer.

Was dafür mit einer erschreckenden Regelmäßigkeit ins Deck wandert sind Karten, die uns Kolonistenchips kosten. Roboter spielen verrückt, Sauerstofflecks tauchen auf, die Kolonisten gehen aufeinander los, alles kostet uns wertvolle Menschenleben. Haben wir keine Chips mehr, mit denen wir so eine schlimme Karte bezahlen können, müssen wir eine Gebäudekarte auflösen, die oben rechts zeigt, wie viele Kolonisten wir dafür bekommen. So dezimiert sich auch nach und nach unsere Kolonie, bis bei einem Spieler gar nichts mehr übrig ist und das Spiel endet. Übrige Kolonistenchips und die Kolonistenanzahl auf den Karten werden dann zusammenaddiert.

Allein beim Thema von Moon Colony Bloodbath scheiden sich schon die Geister. Manche empfanden es zu makaber, dass einem irgendwann die Kolonisten ausgehen. Andere fanden das Thema und die ganze Retro-Aufmachung erfrischend. Auch beim Spielgefühl polarisiert es, manche finden es langweilig und nervig, dass immer mehr und mehr Kolonisten sterben, ohne, dass man etwas dagegen machen kann. Manche finden diesen Wettlauf um den längsten Atem sehr gut und spannend.

Die Frage bei Moon Colony Bloodbath ist, ob man in der Lage ist, loszulassen. Hier wird alles nur noch schlimmer und nie besser. Selbst wenn man glaubt, es wird besser … nein. Das wird es nicht. In dieses Gefühl muss man eintauchen und sich davon treiben lassen, sonst wird man mit dem Spiel nicht warm.

Der Mechanismus an sich ist interessant. Wie schon bei Für die Krone hat das Kartendeck für alle Spieler eine besondere Spannung. Aber anders als bei Für die Krone spielt hier jeder nur für sich. Es gibt keine Interaktion. Das hat aber bei Für die Krone für den besonderen Kick gesorgt. Das ständige Belauern und Nachzählen, wie viele Rubine die anderen noch in ihren Schatztruhen haben. Nur, um am Ende überrascht zu werden, wenn sich herausstellt, dass jemand ganz anderes vorne lag. Wer bei Moon Colony Bloodbath vorne liegt, ist kein Geheimnis, das kann man jederzeit nachvollziehen – wenn man gute Augen hat und die Kolonistenanzahl auf den Gebäudekarten der Mitspieler entziffern kann.

Mein persönlicher Kritikpunkt: Die Grafik ist mir nicht „Bloodbath“ genug. Wenn der Roboterbutler einen abgetrennten Kopf statt einer Box auf dem Tablett hätte … oder wenigstens ’nen Arm oder ’ne Hand. Das „Blutbad“ in der Kolonie sieht man meistens nur im Namen der Karte und liest es aus dem Stimmungstext heraus. Ansonsten ist das Spiel fast völlig unblutig. Das müsste meiner Meinung nach anders sein. Damit die Spieler sehen, wieso was passiert. Da würden die Katastrophen für einige wesentlich mehr Sinn machen, wenn man das Resultat sieht auf der Karte sieht. Man kann ja alles im schicken 60er Jahre Retro-Style lassen. Außerdem: Wenn man ein Spiel schon „Bloodbath“ nennt, dann muss man auch liefern. Finde ich.

Eine gemischte Box, die einen interessanten Mechanismus hat, aber komplett vom Geschmack der Spieler abhängt. Irgendwie macht dieser Punkt das Spiel schon besonders. Aber halt nicht für jeden. Ich find’s toll und ich allein würde dem mindestens eine zwei geben. Aber hier geht’s ja nicht nur um mich. Probiert es aus, wenn ihr die Möglichkeit habt. Die englischen Kartentexte schafft man sich schnell drauf, ebenso wie die englische Regel.

Rezension Christoph Schlewinski

In Kooperation mit der Spielezeitschrift

Spielerei

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Moon Colony Bloodbath: 3,5 3,5, 2 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 12.10.25 von Christoph Schlewinski
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 23.05.26 von Michael Andersch - Ein sehr reißerischer Titel, ein grundsätzlich sehr interessant klingendes Spielprinzip - und leider ein ziemlich ödes, anspruchsloses und repetitives Auswerten von Karten, die nicht wirklich viel Flair verbreiten und dem Titel nicht wirklich gerecht werden. Zudem ein nicht unerheblicher Glücksfaktor, welche Karten man bekommt und ob die irgendwie zusammen passen oder das Einspielen eigener Vorteilskarten in den Stapel erlauben oder eben halt leider nicht. Und da man schön brav und belanglos und interaktionslos nebeneinander her spielt ist es schon fast nicht verwunderlich, dass die Jury das Spiel auf die Auswahlliste genommen hat... So weit es meine Mitspieler und mich betraf: Einmal reicht absolut... Insofern müsste ich eigentlich fast schon nur 2 Punkte vergeben.... Der dritte Punkt ist aber für die durchaus interessante Grundidee.

Leserbewertungen

Leserwertung Moon Colony Bloodbath: 4,5 4.5, 4 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 16.08.26 von Martin Molter - Wer Dominion (vom selben Autor) mag, findet in diesem Spiel ein völlig neues Prinzip. Es entsteht im Laufe des Spiels ein immer größerer Chaosstapel, gegen den wir ankämpfen und Stück für Stück verlieren. Zum großen Teil spielen wir natürlich solo. Aber wenn man am Ende darauf schielt, wer noch was für Gebäude hat und wie viel Kolonisten die geben, wird es immer spannender, wer am Ende den Sieg einfährt. Das zufällige Ziehen der Gebäudekarten wird mit den eigenen Entscheidungen, ob man sie wirklich baut, wieder glattgebügelt. Ich kann das Spiel jedem Deckbuilding Fan nur ans Herz legen. Es ist halt mal etwas komplett anderes. Es hat uns sehr viel Spass bereitet, obwohl wir nicht so die großen Dominions Spieler sind.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 17.08.26 von Raketchen - Eigentlich fand ich es hässlich, und eigentlich ist das nicht mein Thema, und eigentlich gibts Kartensammelspiele wie Sand am Meer. Aber dann habe ich es mal mitgespielt... Überraschung!!! Die Optik passt plötzlich perfekt zum Spiel, der Retro-Charme greift, die Texte sind witzig. Ist übrigens kein Deckbuilder (wie Dominion), sondern Enginebuilding mit Karten und inzwischen auch auf Deutsch erhältlich. Das Material: stabiles Spielertableau, die Tokens liegen gut in der Hand. Kein dröges Kartensammeln und Punktezählen, sondern eine spannende Angelegenheit: was bekomme ich auf die Hand, welche Ereignisse erscheinen, wann schlägt das Spiel von Aufbau in Untergang um, welche Karten sind in dieser Situation gerade am brauchbarsten, was machen meine Mitspieler, kann und will ich den Niedergang noch forcieren, weil ich gerade besser dastehe!? Dabei schade ich nicht einem einzelnen Mitspieler (sowas mögen wir gar nicht), sondern allen (inklusive mir selbst!). Von Vorteil ist es, sich die Karteneffekte der Ereignisse zu merken, denn sie kommen ja wieder. Glück? Nö, eigentlich nicht oder wenig. Brauche ich zwingend Vorteilskarten? Ne, man kann auch ganz ohne gewinnen. Es gibt für jede Situation die passende Maßnahme, man muss sie nur erkennen. Gegen Ende des Spiels eskaliert die Spannung. Habe ich bei keinem anderen Spiel so erlebt. Genial!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 17.08.26 von Chrizlutz
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 25.08.26 von Hans Huehnchen - Man hat bei Moon Colony Bloodbath ein paar Züge Zeit, seine Mondkolonie aufzubauen, bevor diese von durchgedrehten Robotern wieder zerstört werden wird und man sich verzzweifelt dagegen stemmt. Moon Colony Bloodbath funktioniert dabei mechanisch einwandfrei. Das Thema ist morbide-genial, allerdings empfinde ich den Spielablauf als sehr mechanisch und monoton, so dass es mich ziemlich kalt gelassen hat.

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