Rezension/Kritik - Online seit 10.08.2026. Dieser Artikel wurde 301 mal aufgerufen.
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Blupp, blupp, blupp
Wieder ein „Schlag“-Spiel und nach den Flügeln der Vögel und den Schwingen der Drachen kommen nun die Flossen der Fische dran. Flossenschlag führt uns unter Wasser, in drei verschiedene Gewässer und in ungeahnte Tiefen, wo wir auf teils bizarre Kreaturen treffen.
Wer Flügelschlag und/oder Schwingenschlag kennt, weiß, dass es bei den „Schlag“-Spielen darum geht, eine möglichst produktive Auslage in Form von Reihen zu schaffen, die man im Laufe des Spieles öfter werten kann, damit Punkte und andere Dinge dabei abfallen. Bei Flügelschlag wertete man eine Reihe von rechts nach links, in Schwingenschlag von links nach rechts und in Flossenschlag geht’s um Spalten, von oben nach unten, denn wir tauchen und erforschen, was im Wasser so alles kreucht und fleucht.
Wir wollen in einem Zug entweder eine Fischkarte oder einen Taucher zu Wasser lassen. Fischkarten kosten natürlich etwas. Entweder Fischkarten, die wir in unserer offenen Auslage haben (wir haben hier keine Handkarten), oder Fischkarten auf unserem Meerestableau, manchmal auch Jungfische oder Fischeier, die beide als Chips auf unserem Tableau rumliegen und manchmal rumschwimmen. Dann legen wir die Fischkarte auf unser Tableau, je nach Fisch in eine bestimmte der drei Meereszonen und in eine bestimme Tiefe, die dem Fisch entspricht.
Fische spielen ist sinnvoll und essenziell, denn Taucher wollen etwas entdecken im Wasser. Wenn wir einen Taucher in eine der drei Meereszonen schubsen, taucht er Feld für Feld nach unten und bekommt Boni. Dafür, dass in einer bestimmten Tiefe etwas los ist und dort mindestens ein Fisch schwimmt und für die Fischkarte, falls sie durch einen Taucher aktiviert werden kann. So ein Taucher kann also für Zonen und Fischkarten Dinge bekommen und das kann sich richtig lohnen, wenn man seine Fischkarten schlau spielt.
Fischeier legen bringt viel, weil daraus Jungfische schlüpfen können. Jungfische sind toll, weil drei von ihnen einen Schwarm bilden und Schwärme sind viele Punkte wert. Da aber nur ein Schwarm pro Feld erlaubt ist, jonglieren wir Eier, Jungfische und Schwärme, während wir darauf achten müssen, schön viele Boni durch Karten und Taucher zu bekommen.
Haben wir alle Taucher eingesetzt, endet eine Runde, an deren Ende es noch ein paar Siegpunkte für Spezialaufgaben gibt, die bei Spielbeginn zufällig ausgewählt wurden. Und nach vier Runden ist Schluss.
Es ist faszinierend zu beobachten, zu was sich eine Spielmechanik alles entwickeln kann. Ich glaube, niemand hätte gedacht, dass Flügelschlag zwei tierische Fortsetzungen bekommt, als es vor sieben Jahren erschien, noch nicht mal Autorin Elizabeth Hargrave selber. Faszinierend daran ist, dass alle Autorinnen und Autoren nach ihr mit ihrem Grundmechanismus auf sehr respekt- und fantasievolle Weise umgegangen sind, ohne es einfach stumpf zu kopieren oder ohne Sinn und Zweck ein anderes Thema drüber zu stülpen, damit man einen schnellen Euro damit machen kann. Sowohl Schwingenschlag hatte eine ganze eigene Atmosphäre, ganz aufs Thema zugeschnittene Regeln und Besonderheiten, als auch Flossenschlag.
Denn hier geht es natürlich auch darum, die Kartenfähigkeiten oft und gewinnbringend zu aktivieren. Aber nicht nur. Neu ist, dass man die Eier jetzt schlüpfen und Jungtiere rumschwimmen und sich zu Schwärmen formieren lassen kann. Das fügt dem „Schlag“-Prinzip ein ganz neues Element zu: Bewegung auf dem Spielbrett. Überall wuselt es plötzlich, man will Schwärme erzeugen, aber die können sich im Weg sein, also will man die geschickt platzieren … plötzlich entsteht eine neue Dimension, die einen thematisch komplett abholt und hervorragend zur Unterwasserwelt passt.
Und dann der Lernaspekt. Den gab‘s bei Flügelschlag ja schon zu genüge; man konnte, wenn man wollte, so viel über Vögel lernen. Bei Schwingenschlag fiel das natürlich ein bisschen flach, es sei denn, man wollte sich „nerdisch“ weiterbilden. Aber jetzt, bei Flossenschlag, ist es wieder soweit. Augen auf und Wissen eingesogen! Die Recherche ist hervorragend, manche Fische sehen aus wie Aliens und nicht nur ein Mal haben Mitspieler während oder nach einer Partie ihr Handy rausgeholt und nachgeguckt, wie die Tiere in echt aussahen. Und haben sich sogar lange nach dem Spiel noch mit dem Thema beschäftigt. Wenn ein Spiel es schafft, diese Wand zu durchbrechen und die Spieler zu so etwas zu inspirieren, finde ich das großartig!
Flossenschlag hat viel zu bieten und konnte selbst Menschen abholen, die mit Flügelschlag oder Schwingenschlag thematisch oder mechanisch nichts anfangen konnten. Die entweder Vögel doof fanden oder mit Drachen nicht warm wurden. Aber Fische gehen anscheinend immer. Da sieht man es mal wieder: Man steckt nicht drin. Aber im Grunde ist es egal, welches Thema wen abholt. Hauptsache, es wird gespielt! Und bei Flossenschlag kann man eigentlich nichts verkehrt machen. Da sollte man unbedingt eintauchen!
Rezension Christoph Schlewinski
In Kooperation mit der Spielezeitschrift
H@LL9000 Wertung Flossenschlag:
5,0, 1 Bewertung(en)
| Aufmachung | Spielbarkeit | Interaktion | Einfluss | Spielreiz | Kommentar |
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05.07.26 von Christoph Schlewinski |
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