Rezension/Kritik - Online seit 06.09.2026. Dieser Artikel wurde 1058 mal aufgerufen.

Forestry

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Autor: Michal Peichl
Verlag: Pegasus Spiele
Capstone Games
Rezension: Franky Bayer
Spieler: 1 - 4
Dauer: 70 - 120 Minuten
Alter: ab 13 Jahren
Jahr: 2025
Bewertung: 4,5 4,5 H@LL9000
6,0 6,0 Leser
Ranking: Platz 1532
Forestry

Spielziel

Mein Opa mütterlicherseits war Oberförster in Tirol. Warum ich dennoch nicht ausreichend kompetent bin, über das Thema des Spiels Forestry zu berichten? Während sich mein Großvater hauptsächlich um die Hege und Pflege (und manchmal auch um die Jagd) der Waldtiere kümmerte, geht es im neuesten Spiel aus dem Hause Pegasus vielmehr um Forstwirtschaft, also die Pflege und den Schutz des Walder selbst. Also um Bäume, Holz und Sägewerke.

Wir Spieler versuchen, einen Wald nachhaltig zu bewirtschaften, Aufträge für Holzprodukte zu erfüllen und zugleich das Ökosystem für künftige Generationen zu bewahren.

Ablauf

"Hey, das ist ja wie Catan!"
Ja, beim Anblick des sechseckigen Spielplans mit seinen Hexfeldern könnte man wirklich glauben, es handle sich um einen Ableger des millionenfach verkauften Kultspiels. Tatsächlich stellt der Spielplan aber keine Insel mit Feldern, Bergen, Hügeln, Wiesen und Wäldern dar, sondern nur eine einzige Landschaft, nämlich einen Wald. Dementsprechend finden wir auch bloß eine einzige Ressource vor: Holz.

Immerhin ist der Wald durch zwei Flüsse in drei Bereiche unterteilt: braun, hellgrün und dunkelgrün. In jedem Bereich finden wir die fünf Holzarten genau 1 x vor: Kiefer, Birke, Fichte, Buche und Eiche. Rund um den Wald verläuft kreisförmig das Sägewerk, ebenfalls eingeteilt in die drei unterschiedlichen Bereiche. Zur allgemeinen Spielvorbereitung gehört, dass wir den Spielplan mit den verschiedensten Plättchen (Ernteplättchen, Flussplättchen, Lichtungsplättchen, Sägewerksgebäude, etc.) sowie mit Karten (Auftragskarten, Zielkarten) bestücken.

Unsere persönliche Spielvorbereitung besteht darin, die verschiedensten Marker und Scheiben auf unserem eigenen Charakterplan zu platzieren. Ein zufällig gezogener Startauftrag gibt schließlich vor, welches Holz wir bereits in unserem Lager besitzen, und in welches der drei Bürogebäude wir unsere Figur "Führungskraft" im Sägewerksbereich hinstellen. Die Startposition unserer Erntemaschine im Wald bleibt hingegen ganz uns überlassen.

Das (Standard-)Spiel verläuft über 10 Runden. Nachdem zu Beginn einer Runde das oberste Rundenplättchen aufgedeckt und abgehandelt wurde, (durch dessen Effekt erhalten die Spieler kleine Belohnungen, wie Geld, Zeitarbeitskraft oder Baumaterial), sind wir nacheinander im Uhrzeigersinn an der Reihe.

Unser Spielzug besteht aus mehreren Aktionen. Wichtig dafür ist vor allem die Anzahl der uns zur Verfügung stehenden Aktionspunkte (anfangs bloß 3), die durch die Aktionsscheibe auf unsere Aktionspunkteleiste festgehalten werden. Für jede Aktion, die wir tätigen, wird der Marker - je nach Aktion - um 1 oder 2 Felder nach unten verschoben.

Den Großteil unserer Aktionen führen wir im Wald durch, die sogenannten Waldaktionen. So können wir uns (für 1 Aktionspunkt) um bis zu 2 Felder bewegen. Wichtig, um andere Waldfelder zu erreichen, in denen wir bestimmte Aktionen ausführen wollen, wie Holz ernten (das entsprechende Holzplättchen in unser Lager legen), wieder aufforsten (das Ernteplättchen durch den Einsatz von Sämlingen wieder zurück auf seine farbige Seite wenden), den Wald schützen (das weiße Schutzplättchen des Waldfeldes nehmen und in den Schutzbereich unseres Charakterplans legen), ein Waldbauwerk errichten (gegen Abgabe von 1 Baumaterial und 1 Zeitarbeitskraft) oder den Wasserlauf ändern (gegen Abgabe von 3 Zeitarbeitskräften bzw. 3 Baumaterialien einen "Mäander" oder eine "Talsperre" bauen).

Weitere Aktionen müssen wir hingegen im Sägewerk durchführen, nämlich die Sägewerksaktionen. Auch hier wird es manchmal notwendig sein, unsere Führungskraft zu einem anderen Bürogebäude zu bewegen, um die gewünschten Gebäude vorzufinden. Durch das Nutzen der unterschiedlichen Gebäude gelangen wir an Münzen, Baumaterialien, Zeitarbeitskräfte, Sämlinge und Verarbeitungsplättchen. Vor allem aber kommen wir dort an neue Aufträge bzw. können Aufträge erfüllen. In den Bürogebäuden besteht auch die Möglichkeit, Gebäude zu verbessern, indem wir die aufgedruckten Kosten (Baumaterialien, Führungskräfte und/oder Münzen) abgeben.

Aufträge erfüllen wir, indem wir die passenden Holzplättchen, gegebenenfalls mit den dazugehörigen Verarbeitungsplättchen (Beizen, Trocknen oder Hobeln) abgeben. Einige Aufträge sind doppelte Aufträge, bei denen wir uns entscheiden dürfen, entweder nur die obere Hälfte (Pflicht!) zu erfüllen, oder gleich beide Hälften. Für erledigte Aufträge gibt es stets Siegpunkte als Belohnung, manchmal erhalten wir auch Münzen, Sterne, Material, Karten, etc.

Neben diesen Aktionen, die uns Aktionspunkte kosten, gibt es noch freie Aktionen, die wir jederzeit in unserem Zug durchführen können. So können wir etwa unser Lager ausbauen, wenn wir die entsprechenden Kosten (in Münzen) entrichten, oder eine Ziel-Karte für ihren Einmal-Effekt abgeben. Auch dürfen wir uns für jeweils 4 Münzen maximal 2 Bonusaktionspunkte pro Runde dazukaufen.

Nach 10 Runden endet die Partie. In einer Schlusswertung erhalten wir noch Punkte für unsere Gebäudescheiben, unsere Wasserlaufleiste (dazu später), für erreichte Ziele, für den Schutzbereich (Mehrheitenwertung), sowie für restliche Ressourcen und Holzplättchen. Konnten wir die meisten Siegpunkte erzielen, haben wir uns als sowohl nachhaltigster als auch erfolgreichster Forstbetrieb erwiesen.

Fazit

Bei Forestry feiert ein Spielmechanismus sein Comeback, welcher eigentlich schon längst in Vergessenheit geraten ist: Die Aktionspunkte. Wie beim Klassiker Tikal - immerhin "Spiel des Jahres 1999" - steht jedem Spieler in seinem Spielzug eine bestimmte Anzahl an Aktionspunkten zur Verfügung, die er für verschiedene Aktionen einsetzen kann. Dies wirkt nun auf den ersten Blick veraltet, dem Autor ist es jedoch gelungen, diesem Element einen frischen Anstrich zu versehen.

Anfangs verfügt jeder Spieler über gerade mal 3 Aktionspunkte. Damit lässt sich nichts Großartiges anstellen, und es gilt, gut damit zu haushalten. Allerdings besteht die Möglichkeit, die Anzahl der Aktionspunkte sukzessive zu erhöhen. Dafür unbedingt notwendig sind "Sterne", die wir unter anderem durch das Erfüllen von Aufträgen bekommen können.

Für jeden "Stern" rücken wir unseren Sternzähler auf seinem Rondell um 1 Feld im Uhrzeigersinn vorwärts. Nach jeder vollen Umrundung dürfen wir den Marker im inneren Belohnungsbereich auf eines der beiden freien Felder ziehen und die damit verbundene Belohnung kassieren. Jedes zweite Mal ist auf diese Weise ein Fortschritt auf unserer Entwicklungsleiste möglich, wodurch wir - im abwechselnden Rhythmus - eine Technologieverbesserung oder einen zusätzlichen Aktionspunkt dazubekommen.

Es passiert also doch recht langsam, da wir nur bei jeder zweiten Umrundung einen Schritt auf der Entwicklungsleiste erhalten, und somit - laut Adam Riese - ganze vier Umrundungen brauchen, um tatsächlich von einer Erhöhung unserer Aktionspunkte zu profitieren. Wollen wir aber im beinharten Konkurrenzkampf eine Chance gegen unsere Mitbewerber haben, stellt dies eine unbedingte Notwendigkeit dar. Mehr Aktionspunkte erlauben schließlich auch mehr bzw. bessere Aktionen und verschaffen uns einen Vorteil.

Aus diesem Grund ist es speziell in der Anfangsphase wichtig, viele "Sterne" zu ergattern. Neben passenden Aufträgen erhalten wir diese auch durch die Aktion "Wieder aufforsten", einerseits durch die Aktion selbst, andererseits durch das Platzieren der dafür eingesetzten Sämlinge in unserem Wiederaufforstungsbereich. Der nicht auf den ersten Blick erkennbare Vorteil dieser Aktion soll uns Spieler wahrscheinlich auf die Vorzüge nachhaltiger Forstwirtschaft hinweisen.

Am Spielende zählen schlussendlich aber nur die Siegpunkte. Den Großteil erhalten wir logischerweise durch das Erfüllen von Aufträgen, weshalb wir danach streben, dafür geeignete Bäume zu fällen und passende Holzverarbeitungsmethoden anzuwenden. Daneben bringen uns noch folgende Sachen wichtige Punkte: Das Errichten von Gebäuden - egal ob im Wald oder im Sägewerk, die Mehrheit im Schutzbereich (meiste, zweitmeiste und drittmeiste Schutzplättchen), sowie die Anzahl jener Ziele, deren Bedingung wir erfüllen konnten. Hierbei müssen wir jedoch darauf achten, dass jedes unserer Items (Aufträge, Gebäude, Schutzplättchen, usw.) lediglich für 1 Ziel herangezogen werden darf.

Eine Besonderheit bietet die Wasserlaufleiste. Jene Flussplättchen, die wir durch die Aktion "Wasserlauf ändern" erhalten, stellen nämlich Bedingungen dar, die uns Extrapunkte bringen können. Als Multiplikator dient unser Marker auf der Wasserlaufleiste. Wenn wir es klug anstellen, sind damit jede Menge Punkte zu holen, besonders wenn wir alles "x 5" rechnen können.

Während die Wasserlaufleiste fast schon strategisches Vorgehen erfordert, ergeben sich die meisten anderen Punktequellen eher taktisch-situativ. Forestry ist alles in allem ein herausforderndes Kennerspiel, welches mehrere Wege zum Sieg bietet.

Neben dem Standardspiel bietet Forestry auch ein Fortgeschrittenenspiel an, bei dem uns unterschiedliche Charaktere individuelle Fähigkeiten verleihen. Die Aufgabe des "Handelsexperten" etwa ist, unterschiedliche Holzarten zu ernten, während die "Waldökologin" das Leben innerhalb der Bäume und Baumhöhlen beobachtet. Die "Monitoring-Spezialistin" wiederum erfasst mit Drohnen den Zustand des gesamten Waldes, der "Logistikleiter" hingegen versucht, den Platz im Lager möglichst effizient zu nutzen.

Die damit einhergehende Asymmetrie ist zwar einerseits in Hinblick auf Abwechslung und Wiederspielreiz attraktiv, spielt sich doch jeder Charakter einzigartig und verleiht ein anderes Spielgefühl. Ich bezweifle allerdings, dass alle Charaktere gut ausbalanciert sind. Mir erscheinen einige Fähigkeiten stärker, andere deutlich schwächer, sodass ich persönlich doch lieber das Standardspiel bevorzuge.

Das beinhaltete Solospiel habe ich - wie ich es meistens zu tun pflege - anfangs zum Kennenlernen der einzelnen Mechanismen ausprobiert. Dies hilft mir sehr, um später besser als Erklärbär fungieren zu können. Ich glaube jedoch nicht, dass ich es nochmals alleine spielen werde, denn einerseits spiele ich lieber gegen reale Gegner (statt wie hier gegen den "Förster Paul"), andererseits finde ich kartengesteuerte Dummies nicht besonders elegant und eher nervig. Wenigstens funktionieren die Solo-Partien ganz gut.

Noch ein paar Worte zum Spielmaterial: Es ist reichhaltig, schön gestaltet, und weist neben zahlreichen Plättchen und Karten auch - passend zum Thema - viele Figuren, Marker, Scheiben, Ressourcen aus Holz auf. Die verwendete Symbolik ist recht eingängig und wird auf praktischen Übersichtsplättchen und in der Spielanleitung noch extra aufgelistet.

Das Thema "ökologische Forstwirtschaft" wird uns nicht nur durch die verwendeten Mechanismen auf gelungene Weise vermittelt, auch die - übrigens gut aufgebaute und reichlich bebilderte - Spielanleitung ist sehr lehrreich und erklärt uns nebenbei - durch fundierte Fachtexte in grünen hervorgehobenen Kästchen - alles Wissenswerte über den Wald und seine Funktionen.

Insgesamt ist Forestry ein sehr informatives Spiel auf Kennerniveau, das auf frische Art den schon vergessen geglaubten, verstaubten Aktionspunkte-Mechanismus wiederbelebt.

Rezension Franky Bayer

Anmerkung: Zur besseren Lesbarkeit der Texte verwenden wir häufig das generische Maskulinum, welches sich zugleich auf weibliche, männliche und andere Geschlechteridentitäten bezieht.

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Forestry: 4,5 4,5, 2 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 03.06.26 von Franky Bayer - Forestry ist ein anspruchsvolles Kennerspiel, bei dem wir uns um die nachhaltige Bewirtschaftung eines Waldes kümmern. Als Spielmechanismus dient der schon vergessen geglaubte, aber hier frisch wiederbelebte Einsatz von Aktionspunkten (wie etwa bei Tikal).
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 07.03.26 von Frank Gartner - Schönes Expertenspiel. Für meinen Geschmack etwas zu viel Downtime und gegen Ende kann es etwas glückslastig werden, wenn man noch auf gute Karten hofft.

Leserbewertungen

Leserwertung Forestry: 6,0 6.0, 1 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 19.02.26 von Stefan H. - Da passt einfach alles!

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