Rezension/Kritik - Online seit 07.10.2026. Dieser Artikel wurde 1153 mal aufgerufen.
Direktlinks zu den Rezensionsblöcken |
|
|
Das Kavango-Zambesi-Schutzgebiet erstreckt sich über Angola, Sambia, Namibia, Botswana und Simbabwe und gilt als das größte grenzüberschreitende Naturschutzgebiet der Welt. Die Region beherbergt eine außergewöhnliche Vielfalt an Lebensräumen und Tierarten, darunter einen Großteil der afrikanischen Elefantenpopulation. Auch Naturphänomene wie die gewaltige Zebrawanderung oder die Victoriafälle machen das Gebiet einzigartig. Diese beeindruckende Landschaft bildet die thematische Grundlage von Kavango.
Ihr übernehmt im Spiel die Leitung eines Naturschutzreservats und entwickelt dieses über drei Kartenauswahl-Runden weiter. Dabei erweitert ihr das Ökosystem, erfüllt Forschungsaufgaben und erwirtschaftet Geld, das in den Schutz bedrohter Tierarten sowie in Klima- und Naturschutzmaßnahmen investiert wird. Mit jeder Runde wachsen die Möglichkeiten, aber auch die Anforderungen. Am Ende gewinnt, wer durch Tiere im eigenen Reservat und erfolgreich umgesetzte Naturschutzmaßnahmen die meisten Punkte erzielt.
Alle bekommen zu Beginn zwei Tableaus. Das eine stellt ihr Reservat dar und bietet 24 Tierkarten Platz, das andere stellt das Ökosystem der Kavango Region dar. Am oberen Rand sind unterschiedliche "Produzenten" abgebildet, die Nahrung geben. Nahrung kann bestehen aus Gräsern, Bäumen oder Tieren, die ganz unten in der Nahrungskette stehen, wie Wirbellose und Fische. Zusätzlich sind dort Ablagemöglichkeiten für Habitat- und Wildschutzmarker.
Auf den zentralen Spielplan werden je 4 Forschungsaufgaben-Karten gelegt, die jede Runde wechseln. Darüber hinaus wird dort Geld für Klimaschutz gesammelt. Abhängig von der Anzahl der Mitspielenden erhalten nun alle eine bestimmte Anzahl von Handkarten. Spielt ihr zu dritt oder viert erhaltet ihr 12 Handkarten, zu zweit 15. Diese Handkarten setzen sich aus Aktions- und Wildniskarten zusammen. Alle erhalten noch eine Spezialistenkarte, die besondere Vorteile gewährt, sowie 2 Tierkarten.
Kavango wird über 3 Runden gespielt, folgende Zugphasen führt ihr gleichzeitig aus:
Ihr spielt genau 10 Züge, so dass auf jeden Fall noch Karten übrigbleiben. Dann endet die 1. Runde. In den Runden 2 und 3 ändert sich die Zusammensetzung der Handkarten, der Spielablauf bleibt identisch.
Nach der 3. Runde endet das Spiel. Deine Tierfigur ist durch das Werten von Forschungsaufgaben bereits während des Spiels auf der Punkteleiste vorangeschritten. Nun kommen noch Punkte für die Tiere in deinem Reservat hinzu, sowie die Preise, die du für Umweltschutz erreichen konntest.
Jede Tierkarte zeigt einen Punktwert, diese werden nun zusammengerechnet. Besitzt du jeden der 11 Typen (Produzenten und Tiere) mindestens 1x in deinem Reservat, erhältst du 10 Punkte.
Du erhältst weitere 10 Punkte, wenn du mindestens $8 Mio. zum Klimaschutz beigetragen hast. Ebenfalls 10 Punkte gibt es, wenn du sowohl beim Habitat- als auch beim Wildtierschutz die Stufe 4 erreicht hast.
Hast du insgesamt die meisten Punkte erreicht, gewinnst du das Spiel.
Schon beim Auspacken hinterlässt Kavango einen zwiespältigen Eindruck. Die Spielschachtel ist ansprechend gestaltet und macht Lust auf die erste Partie. Auch ist es sehr schön, dass das Inlay die Möglichkeit bietet, das Spielmaterial sinnvoll zu verstauen. Auf dem Tisch hingegen wirkt das Material dagegen etwas eintönig.
Nett sind die Spielfiguren aus Holz und auch die Tierkarten sind schön illustriert und werden durch kurze Infotexte aufgewertet. Die im Spiel aufgedeckten Forschungskarten sorgen dafür, dass du dich nicht stur auf die Symbole konzentrierst, sondern dich auch mit den Informationen auf den Tierkarten auseinandersetzt.
Auf dem Tisch benötigt Kavango sehr viel Platz, wobei sich der Nutzen der großen Spieltableaus nicht erschließt. Warum gibt es für alle jeweils ein riesiges Reservatstableau mit 24 Feldern, obwohl das eigene Reservat gar nicht auf diese Fläche begrenzt ist. Da hätte man es direkt fortlassen können. Das Kartenmaterial ist sehr umfangreich und hat mehrere verschiedene Kategorien, die anfangs sortiert und gründlich gemischt werden müssen. Da liegen dann locker mal 8 Kartenstapel nebeneinander.
Die Spielregel ist übersichtlich und die Regeln sind insgesamt gut erklärt und leicht verständlich, auch wenn sich manche Spielschritte unnötig umständlich anfühlen. Neben einem Solomodus gibt es sogar einen Anhang mit wissenswerten Informationen, in dem u. a. auch erklärt wird, dass Fische und Wirbellose der Einfachheit halber im Spiel zu den Produzenten gerechnet werden, auch wenn dies wissenschaftlich gesehen falsch ist.
Es stellt sich allerdings die Frage, warum es ausgerechnet bei den Wirbellosen noch Termiten und Bienen als Untergruppen gibt. Jede Biene und Termite zählt auch als Wirbellose, aber es gibt manche Tiere, die ausdrücklich eine Termite oder eine Biene als Nahrungsbedarf benötigen. Diese Differenzierung macht das Spiel eher unnötig kompliziert, ohne einen erkennbaren spielerischen Mehrwert zu bieten. Allerdings kann es sich so gesehen lohnen, wenn sich die Möglichkeit ergibt, die Handkarte einer Termite und einer Biene zu nehmen, in der Hoffnung, dass du auch die passende Wildniskarte dazu bekommst. Habe ich schon mal gemacht und dann kamen nur Tiere ins Spiel, die zwei Termiten benötigten, im ganzen Spiel kam aber nur eine vor.
Kavango hat schon einen immensen Glücksfaktor - oder vielleicht sollte man ihn besser Zufallsfaktor nennen. Alle Karten kommen zufällig ins Spiel, und wenn der Zufall es will, passen sie oder sie passen eben nicht. Aufpassen muss man bei den Produzentenkarten, denn diese befinden sich nur im Kartendeck A, das in der letzten Runde nicht mehr zum Einsatz kommt. Positiv hervorzuheben sind die kompakten Spielübersichten, so sind alle informiert und haben auch immer vor Augen, was Siegpunkte bringt. Ebenso ist es schön, dass die Regel Tipps für einen schnellen Einstieg oder leichte Anpassungen für das Spiel zu zweit vorgibt. Auch werden noch ein paar optionale Regeln angeboten, die ganz oder teilweise übernommen werden können.
Wenn du Drafting- und Set-Collection-Spiele mit einfachen Mechanismen magst, könnte Kavango genau deinen Geschmack treffen. Spielerisch setzt Kavango konsequent auf einen ruhigen Spielablauf. Abgesehen vom Draften der Karten spielt jede Person weitgehend für sich. Natürlich kannst du deinen Mitspielenden gelegentlich eine wichtige Karte vor der Nase wegschnappen, aber darüber hinaus gibt es aber kaum direkte Interaktion. Die Forschungsaufträge sind für alle gleichermaßen verfügbar. Es spielt keine Rolle, wann du sie erfüllst, da dir niemand einen Platz wegnehmen oder dich blockieren kann. Dadurch konzentriert sich das Spiel vollständig auf den Aufbau des eigenen Reservats, ohne Konkurrenz um Nebenschauplätze.
Eine Ausnahme bildet der gemeinsame Klimaschutz. Alle zahlen in denselben Fonds ein, wodurch höhere Klimaschutzstufen freigeschaltet werden, von denen anschließend alle profitieren können. Benötigt ein Tier beispielsweise Klimaschutzstufe 2, freust du dich natürlich, wenn andere bereits genügend investiert haben. Ist das nicht der Fall, kannst du selbst Geld einzahlen, um die Voraussetzung zu schaffen. Genau darin liegt aber auch die spielerische Schwäche dieses Mechanismus. Wer viel in den Klimaschutz investiert, hilft häufig den anderen mehr als sich selbst. Das investierte Geld fehlt später eventuell für deinen persönlichen Habitat- oder Wildtierschutz oder für den Erwerb von Renaturierungskarten. Gleichzeitig ist genau dieser kooperative Gedanke auch das Besondere an Kavango.
Eigentlich soll das ganze Spiel simultan gespielt werden, aber nach der Wahl der Handkarten agieren wir in unseren Spielrunden reihum. Das hat den Vorteil wenigstens etwas davon mitzubekommen, was die anderen so treiben. Auch kann es sich so ergeben, dass in der Runde jemand vor dir schon in den Klimaschutz investiert und du dir Geld für andere Aktionen sparen kannst.
Spielerisch solltest du dennoch keine Innovation erwarten. Unterschiedliche Strategien sind nur begrenzt vorhanden. Kartenkombinationen oder überraschende Synergien, die ganz neue Wege eröffnen, gibt es kaum. Die Tiere verfolgen meist sehr ähnliche Anforderungen. Hast du einen Elefanten ausgespielt, erhältst du eben dessen Punkte – besondere Kombinationsketten entstehen daraus jedoch selten. Überzeugen kann Kavango jedoch durch seine stimmige Thematik, die einfachen Regeln und den entspannten Spielfluss. Wer intensive Interaktion, viele unterschiedliche Strategien oder spielerische Innovation sucht, wird hier eher nicht fündig. Wenn du dagegen Freude daran hast, in ruhiger Atmosphäre dein eigenes Naturreservat aufzubauen und dabei ein gelungen umgesetztes Naturschutzthema zu erleben, erhältst du ein solides und thematisch stimmiges Spiel.
Rezension Renate Gerling-Halbach
Anmerkung: Zur besseren Lesbarkeit der Texte verwenden wir häufig das generische Maskulinum, welches sich zugleich auf weibliche, männliche und andere Geschlechteridentitäten bezieht.
H@LL9000 Wertung Kavango:
3,8, 4 Bewertung(en)
| Aufmachung | Spielbarkeit | Interaktion | Einfluss | Spielreiz | Kommentar |
|
|
|
|
|
20.07.26 von Renate Gerling-Halbach - Sehr zufallgesteuertes Spiel, ist ganz nett, aber mehr auch nicht. |
| Aufmachung | Spielbarkeit | Interaktion | Einfluss | Spielreiz | Kommentar |
|
|
|
|
|
15.11.25 von Mahmut Dural - Aufgerundete 5 Punkte. Gut, um Gelegenheitsspielern dieses Genre näherzubringen. Es ist eine\" Eine Wundervolle Welt\" in leicht. Spieler werden vllt. eher zur \"Eine wundervolle Welt\" greifen. |
| Aufmachung | Spielbarkeit | Interaktion | Einfluss | Spielreiz | Kommentar |
|
|
|
|
|
19.07.26 von Michael Andersch - Multiplayer-Solitär - das Spiel. Dazu kommt das völlig zufällige Auftauchen von Tieren, so dass jeder schön zufallsgesteuert vor sich hin wurstelt. |
| Aufmachung | Spielbarkeit | Interaktion | Einfluss | Spielreiz | Kommentar |
|
|
|
|
|
06.10.26 von Alexander Broglin - Ein weiteres Tier/Natur-Spiel. Spielt sich einfach und fluessig. Das Thema Klimaschutz und Naturschutz wird gut ueber eine kooperative Komponente und eine individuelle Komponente umgesetzt. |
Leserwertung Kavango:
3.0, 2 Bewertung(en)
| Aufmachung | Spielbarkeit | Interaktion | Einfluss | Spielreiz | Kommentar |
|
|
|
|
|
21.01.26 von sutrebuh - Drei Runden lang draften wir zehn Karten in unser Reservat, das ein komplett funktionsloses Brett zur Kartenablage darstellt. In der ersten Runde legen wir Produzenten, welche die Voraussetzung bilden, um Tiere in den Runden zwei und drei legen zu können. Da wir aber nicht wissen, was kommt, geschieht das ins Blaue hinein. Entsprechend zufällig spielt sich das Ganze. Am Anfang jeder Runde werden dann noch zufällige Rundenziele, die dann zufällig zu den zufälligen Handkarten passen - oder eben nicht. Zufälligerweise dauerte der viele Zufall viel zu viel zufällige Zeit. Investitionen in die punkteträchtige Schutzstufe sind mehr ein interaktives Feigenblatt, denn ein Spielmechanismus, da obligatorisch, um punktemäßig nicht abgehängt zu werden. Auch das Drafting fällt nicht wirklich interaktiv aus, sondern dient nur der Milderung des Zufalls: Nehmen wir bei 7 Wonders manchmal auch Karten, um sie anderen vorzuenthalten, indem wir sie für Weltwunder oder Geld verwenden, lassen wir das bei Kavango lieber, denn wir müssen sie ins Reservat spielen, sodass sie schon nützlich für uns sein sollte. |
| Aufmachung | Spielbarkeit | Interaktion | Einfluss | Spielreiz | Kommentar |
|
|
|
|
|
03.05.26 von felixs - Nettes Kartensammelspiel mit zahlreichen Abhängigkeiten und Synergien. Spielt sich flott, sobald man einmal drin ist. Schön aufgemacht. Allerdings finde ich es unglücklich, dass die Klimaschutzleiste komplett blockiert werden kann (was man tun sollte, wenn man führt). Mechanisch geradezu elegant. Allerdings redaktionell nicht ganz ausgereift: Die Ablagen sind zu groß - so einen Tisch hat man fast nie und wenn doch, würde man überhaupt nicht mehr sehen, was die Mitspieler machen. Die Regeln dagegen sind - und das ist wichtiger - wirklich gut geschrieben und man findet sich schnell zurecht. Den Glücksfaktor würde ich als mittelmäßig bezeichnen, was mir gut gefällt. Würde ich wieder mitspielen, aber nur zu zweit oder max. zu dritt. |