Rezension/Kritik - Online seit 13.04.2026. Dieser Artikel wurde 269 mal aufgerufen.
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Tauschen, bis die Schwarte kracht!
Ich hab eine Auftragskarte, die sagt: Für zwei Tomaten krieg ich ein Schaf. Das Schaf kann ich jetzt mit dem Schwein und noch einer Tomate für den nächsten Auftrag benutzen und acht Getreide tauschen. Dann kann ich drei Aufträge aus vorherigen Runden benutzen, um mir eine Ressource meiner Wahl zu nehmen und dann hab ich neun Ressourcen zusammen, um meinen dritten Auftrag dieser Runde zu erfüllen, nämlich vier Karten von meinem Nachziehstapel ziehen.
So sieht ein fluffiger und guter Zug in Formidable aus und dieses Wort sagt man in diesem Spiel relativ häufig, wenn alles fluppt. Wieso? Weil es albern ist und Spaß macht! Es muss schließlich nicht immer alles ernst und getragen sein.
In Formidable wollen wir genau das sein, nämlich großartig und den eigenen Kartenstapel so schnell wie möglich wegzuspielen. Jede Karte ist ein Auftrag, mit dem man etwas tauscht, es bewegt sich also viel auf dem Tisch. Leider kriegen wir von unserem Kartenstapel nicht automatisch neue Aufträge auf die Hand. Nach einer Starthand kommen alle neuen Aufträge immer nur entweder als Belohnung durch andere Aufträge, oder indem wir unsere Aktionsscheibe auf dem Markttableau auf das Feld stellen, auf dem wir eine Karte ziehen können, oder wir geben zwei Aufträge aus vorherigen Runden ab, um eine Karte zu ziehen. Erfüllte Aufträge sind nämlich auch eine Währung, aber die hilft nur dabei, die Regeln zu brechen. Zum Gewinnen braucht man sie streng genommen nicht. Aber hilfreich ist sie unbedingt!
Zusätzlich zu unseren Handkarten liegt noch ein Markt aus fünf offenen Aufträgen aus, die wir auch erfüllen können. Manchmal lohnt sich das für Ressourcen (hier: Feldfrüchte), die wir vielleicht für die Handkarten gebrauchen können. Aber immer lohnt es sich, weil ein erfüllter Auftrag halt einen Taler wert ist und Taler sind sehr, sehr hilfreich auf dem Weg nach Siegstadt.
Manch eine Person wird sich jetzt fragen, was an diesem Konzept spannend sein soll. Man tauscht und dann tauscht man noch mehr und dann noch mehr … das klingt ja öde und langweilig und da schlafen einem ja die 2F(üße) ein (50 Cent in die Wortspielkasse!).
Meistens sagen das Leute, die Formidable nicht gespielt haben und nur vom Hören der Mechanik bereits komplette Rückschlüsse auf das Spiel ziehen können. Wer kennt diese Menschen nicht? Am besten meiden. Klar hier wird getauscht, als gäbe es kein Morgen mehr, aber genau das ist ja der Sinn dieses Spieles. Tauschen ist das Mittel zum Zweck und der ist bei Formidable ein klasse Wettrennen. Wer kriegt zuerst seinen Kartenstapel weggetauscht?
Interaktion bietet das keine, außer, dass man jemandem Karten aus der offenen Auslage wegschnappen kann. Aber Interaktion ist hier auch nicht wichtig. Viel mehr ist wichtig, dass man permanent unter Druck gerät. Druck, genau zu schauen, wie man am effektivsten tauschen kann, denn dem Mitspieler vor einem ist es ja auch gelungen. Bis zu drei Aufträge darf man in seinem Zug erfüllen und wenn einer oder mehrere davon als Belohnung das Ziehen von Karten erlauben, dann hört man die anderen am Tisch gepresst und angestrengt atmen, der Druck wird größer – ebenso, wie die eigene Zufriedenheit.
Formidable kommt mit ganz toll einfachen Grundregeln daher und selbst die unzähligen Belohnungen oder Tauschmöglichkeiten auf den Karten sind überraschend schnell verinnerlicht. Hilfreich ist da die Übersicht auf der Rückseite der Regel und mein erster Impuls war es natürlich, zu meckern. Wieso ist da nicht für jeden Spieler eine Übersicht drin??? Das wäre soooooo viel praktischer, blablablablabla. Man stellt relativ schnell fest, dass man die null für jeden am Tisch braucht. Eine reicht. Wie schon erwähnt: Man hat die Symbole schnell verinnerlicht.
Formidable wird die Gemeinde sicher spalten, denn es wird auch die geben, die sich gerne mit acht Stunden Kloppern beschäftigen und dann Formidable vorwerfen, langweilig und eintönig zu sein. Mein Rat: Einfach nicht spielen. Oder spielen, langweilig finden, aber dann bitte, bitte diese Meinung nicht in den Äther blasen. Jeder hat das Recht, ein Spiel langweilig zu finden.
Aber wenn das einzig und allein die eigene Meinung widerspiegelt und keine Analyse des Spieles ist, dann einfach mal die Klappe halten.
Formidable spricht bis jetzt eine Zielgruppe ganz besonders an: Die der Gelegenheits- oder auch Wenigspieler. Die sind richtig fasziniert von dem ganzen Getausche, für sie ist das etwas total Neues und Spannendes. Die wissen den Wettrenncharakter von Formidable noch richtig zu schätzen und fiebern und stöhnen ordentlich mit.
Ich persönlich finde Formidable ziemlich formidable und viele meiner Mitspieler stimmten mir bei etlichen gespielten Runden bereits zu. Es geht schnell, man kommt toll rein und die Aufgabe ist zwar simpel, aber nicht banal. Schönes Material, schöne Aufmachung und gute Regeln runden das ganz dann noch ab. Das kann was!
Rezension Christoph Schlewinski
In Kooperation mit der Spielezeitschrift
H@LL9000 Wertung Formidabel! :
5,0, 1 Bewertung(en)
| Aufmachung | Spielbarkeit | Interaktion | Einfluss | Spielreiz | Kommentar |
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03.04.26 von Christoph Schlewinski |
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