Rezension/Kritik - Online seit 07.02.2026. Dieser Artikel wurde 724 mal aufgerufen.

Thebai

Direktlinks zu den Rezensionsblöcken
Autor: Dávid Turczi
Verlag: Pegasus Spiele
Intrafin Games
Rezension: Michael Andersch
Spieler: 1 - 4
Dauer: 90 - 150 Minuten
Alter: ab 14 Jahren
Jahr: 2025
Bewertung: 3,0 3,0 H@LL9000
Ranking: Platz 5088
Thebai

Spielziel

Thebai ist der altgriechische Name für Theben, und dort passiert, was bei im historischen Kontext angesiedelten Spielen halt gemeinhin so passiert: König angeknackst, Krieg mit den Nachbarn, und wir Adelsfamilien müssen mal wieder ran, um aufzubauen, zu verteidigen, den Rat zu wuppen, Götter anzubeten und so weiter und so fort. Als erfahrene Brettspieler haben wir unsere diesbezüglichen Fähigkeiten ja schon mehrfach unter Beweis stellen können, also, wohlan denn: schreiten wir zur Tat! Unser Lohn sind Siegpunkte, und selbstverständlich gewinnt, wer davon am meisten anhäufen konnte.

Ablauf

Vor uns liegt der Stadtplan Thebens, der bereits mit ein paar Startgebäuden bebaut ist (auf den stylischen Namen „Kadmeiasteine“ für selbige verzichte ich im weiteren Verlauf). Diese Gebäude stellen im Wesentlichen Aktionsfelder dar.
Zudem lauern vor den 7 Stadttoren schon Angreifer nur ungefähr bekannter Stärke.
Flankiert wird der Plan von 2 Altarleisten (die die Anbetung der Götter symbolisieren, und auf denen wir aufsteigen wollen, um Vergünstigungen zu erhalten), sowie einer Ratstafel (in die wir honorige Bürger entsenden können, um am Spielende für dies und das Siegpunkte zu generieren).

Jeder Spieler hat zudem ein eigenes Ablagetableau, das diverse Aktionsmöglichkeiten in Form von Einsetzfeldern aufweist, von denen aber zu Beginn nur wenige verfügbar sind, denn viele sind noch mit im Spielverlauf auf den Plan zu verbringenden Gebäuden belegt und somit zunächst noch nicht zugänglich.
Zudem hat jeder Spieler ein paar Bürger in Form von aufwertbaren Würfeln, sowie ebenso aufwertbare Würfelkrieger.

Gespielt wird in variabler Reihenfolge gemäß Götteranbetungsstatus, und ist man am Zug, so sind die Möglichkeiten denkbar einfach – man nimmt nämlich nur einen seiner Bevölkerungswürfel, und setzt diesen entweder auf seinem Tableau ein, um eine bestimmte Aktion auszuführen, oder man setzt ihn neben bereits auf dem Plan befindlichen Gebäuden ein, um dessen bzw. gegen Aufzahlung deren Aktion(en) auszuführen.
Soweit so einfach – etwas tricky wird es allerdings durch die Vielzahl der möglichen Aktionen und deren Zusammenspiel. So kann man beispielsweise Bürger oder Krieger einsetzen oder aufwerten, diverse Rohstoffe erhalten oder Rohstoffe in andere Dinge umtauschen. Man kann auf den Altarleisten voranschreiten oder – nicht zuletzt – Gebäude von seinem Tableau nehmen und in der Stadt einbauen.

Anschließend läuft man mit seinem (bislang nicht erwähnten) „Archon“ auf dem Plan zu einem Gebäude, dessen Aktion man ebenfalls noch ausführen darf. Laufwege bestehen allerdings nur dort, wo fremde oder eigene Würfel zwischen den Gebäuden liegen, und das Blöde ist, dass man gar nicht wirklich laufen möchte, denn: Läuft man über eigene Würfel, so werden diese reduziert, und läuft man über fremde Würfel, so werden diese aufgewertet. Sehr massiv aufgewertete Kriegerwürfel erzeugen Heerführer (die man zur Verteidigung an den Toren platziert) und eventuell sogar Helden (die ziemlich gute einmalige oder dauerhafte Effekte erzeugen). Sehr massiv aufgewertete Bevölkerungswürfel hingegen verschwinden aus der Stadt und werden in den Rat gesetzt, wo sie für bestimmte Dinge am Spielende Bonuspunkte bringen.

Nachdem jeder Adelige seinen Zug gemacht hat, tritt ein Rundenendereignis ein. Diese Ereignisse sind 5 Runden im Voraus bekannt und bringen entweder diverse Dinge oder Siegpunkte für dies und das, oder sie initiieren einen Angriff (von insgesamt 4 im Spielverlauf) an einem der 7 Tore, wobei die Angriffe im Spielverlauf stärker werden. Alle Spieler vergleichen nun separat die Stärke ihrer Krieger und eventuell Heerführer am entsprechenden Tor. Wer schwächer ist als die Angreifer (was bei uns quasi nie vorkam, denn man kann wirklich gut vorausplanen), der verliert Siegpunkte, wogegen ein Übertreffen des Angriffswertes diverse Boni und bisweilen eine durchaus erkleckliche Anzahl von Siegpunkten einbringen kann.

Nach 10 Runden endet das Spiel, und es gewinnt, wer am besten gekämpft, angebetet, Gebäude gebaut und den Rat besetzt hat.

Fazit

Hach, wie schön: Ein Spiel mit erfreulicherweise „normaler“ Grafik. Keine vermenschlichten Katzen, Hühner, Füchse oder irgendwelche sonstigen albernen Fantasiewesen, sondern ein ganz „normales“ Setting!

Die Anleitung ist gut und ließ bei uns keine Fragen offen. Sie wird zudem durch ein Glossar ergänzt, das viele Elemente nochmals detailliert beschreibt. Vorbildlich!

Auch das Material ist absolut in Ordnung, mit einer Ausnahme: Die Bürger- und Kriegerwürfel sind neben den Werten noch mit einem Bild bedruckt, und dieses macht ein schnelles Erkennen des Würfelwertes nicht wirklich einfach – hier hätte ich mir mehr Klarheit und weniger Verspieltheit gewünscht. Auch die Vielzahl der Symbole und Aktionsmöglichkeiten ließ das Spielgeschehen oftmals unübersichtlich wirken.

Kommen wir nun zum Spiel selbst. Dieses ist – so einfach die (sehr abstrahierte) Beschreibung oben auch klingen mag - dem Expertencharakter des Spiels entsprechend selbstverständlich ziemlich verzahnt. Dabei ist auch eine gute Prise Interaktion im Spiel – eher zufällig (zum Beispiel beim Herumlaufen mit dem Archon und dem Besetzen von Aktionen für Mitspieler), aber auch planbar (zum Beispiel beim Rangeln um die besten Positionen für die Kriegerwürfel, dem Erhalt von Heerführern und vor allem dem Anwerben von Helden.

Das klingt im Grunde gut, dennoch konnte in keiner meiner Partien der Funke überspringen – und dies bezieht sich durchaus bzw. insbesondere auch auf Mitspieler, die es sogar zum Teil gerne abgebrochen hätten, aber mir zu Liebe und zum Zwecke dieser Rezension dann doch durchgezogen haben (weswegen es außer mir keinen „Wiederholungstäter“ gab – für alle meine Mitspieler war es stets die erste und letzte Partie).
Woran es lag ist gar nicht einfach zu beschreiben. Vielleicht daran, dass das Spiel trotz aller Bemühungen um Flair dennoch total konstruiert und steril wirkt?
Dass es aus der Masse an gleichartigen Spielen von Tascini, Suchý und Co. schlichtweg nicht herausragt, es in keiner Hinsicht irgendwie „besonders“ ist?
Dass in jeder Partie das Gefühl aufkam, dass früh erlangte Helden zwar kleine, aber dennoch im Spielverlauf sich so auswirkende Effekte hatten, dass die Schere zwischen vorne und hinten liegenden Spielern immer weiter auseinander ging?
Ich vermag es nicht zu sagen, bin allerdings auch für mich selbst zu dem Schluss gekommen, dass es nach dem Verfassen dieser Rezension keine weitere Partie Thebai für mich geben wird, denn die dafür benötigten gut 2 bis 3 Stunden vermag ich mit anderen Spielen einfach mit deutlich mehr Spielspaß zu füllen.

Dies soll jedoch nicht bedeuten, dass Thebai ein schlechtes Spiel sei. Vielleicht war ich auch einfach nicht „der richtige Adressat“, wobei mich aber Spiele mit derlei Anspruchsniveau grundsätzlich schon auch abholen können (spontan fällt mir hier z.B. Men-Nefer ein).
Somit empfehle ich Fans der erwähnten Autoren Tascini, Suchý etc. und Fans von Spielen wie Teotihuacan, Men-Nefer, Tianxia und dergleichen dennoch durchaus mal einen Blick auf Thebai zu werfen. Für alle anderen dürfte es jedoch eher weniger geeignet sein.

Rezension Michael Andersch

Anmerkung: Zur besseren Lesbarkeit der Texte verwenden wir häufig das generische Maskulinum, welches sich zugleich auf weibliche, männliche und andere Geschlechteridentitäten bezieht.

'Thebai' online bestellen

Kaufen bei Idealo Kaufen bei Spiele-Offensive Kaufen bei Meeple-Box 

H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Thebai: 3,0 3,0, 1 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 09.01.26 von Michael Andersch - Hat mich (und auch meine Mitspieler) leider gar nicht abgeholt. Die Note tut dem Spiel etwas unrecht, denn es funktioniert ja - allerdings haben wir schlichtweg auch in unterschiedlichen Runden keinen großen Spielspaß empfunden.

Leserbewertungen

Es sind noch keine Leserbewertungen abgegeben worden.

Weitere Informationen zu 'Thebai' auf unseren Partnerseiten